Startseite
    Eindrücke
    Bilder
  Archiv
  Gästebuch
  Kontakt
 


http://myblog.de/dominikinargentinien

Gratis bloggen bei
myblog.de





Buenos Aires ist wie Bielefeld

Ich komme mir allmählich vor wie „Der Spiegel": jeden Montag eine neue Ausgabe des Blogs. Und das, obwohl wir seit Augstein wissen, dass in Deutschland kein Platz für ein zweites Nachrichtenmagazin ist. Aber ich bin ja kein Nachrichtenmagazin und noch dazu in Argentinien - und da ist Platz genug.

Eine interessante Woche liegt hinter mir. Der vergangene Montag war der heißeste Oktobertag seit Beginn der Wetteraufzeichnungen in Argentinien. 33° C und 90% Luftfeuchtigkeit. Sogar nachts waren es über 25° - gesegnet sei der Erfinder der Klimaanlage (und nein, das ist nicht der Chef von VW Südamerika). Am Tag drauf gab es zunächst ein heftiges Gewitter, einen durch die aufsteigende Feuchtigkeit unglaublich schwülen Morgen und von einer Minute auf die andere fielen die Temperaturen um die Hälfte. Wenn ich im WKII einen Steckschuss in den Oberschenkel bekommen hätte, hätte ich das sicherlich vorher fühlen können, aber so kam das dann doch etwas überraschend. Aber im Laufe der Woche hat sich das Wetter wieder beruhigt und auf eine angenehme Temperatur um die 23° eingependelt.

Eben jenes Wetter konnte ich am Samstag dafür nutzen, einen kleinen Ausflug in das barrio La Boca zu machen, von dem im Fußball-Eintrag schon die Rede war. Die große Besonderheit dieses Stadtteils sind die bunten Wellblechhäuser. Als in La Boca vornehmlich Hafenarbeiter und Matrosen wohnten, wurden diese nicht selten in Naturalien bezahlt oder auch mit Farbe, die beim Schiffsanstrich übrig blieb. Damit strichen die Arbeiten ihre aus Wellblech und Holz errichteten Häuser bunt an. Natürlich stehen nicht mehr alle dieser Häuser, doch in einigen Strassen wird das Stadtbild durch die bunten Behausungen noch stark geprägt. Während in der Vergangenheit das Hafenviertel (das übrigens nicht am großen Rio de la Plata liegt, sondern am kleineren Riachuelo) noch vornehmlich die typischen Elemente eines Hafenviertels enthielt (Spelunken und Bordelle), ist dort heute eine sehr rege Kunstszene entstanden. Neben vielen Lokalen, kleinen Märkten und Souvenirgeschäften existieren in La Boca eine Vielzahl von Galerien und Ateliers, zudem noch die Akademie de bellas Artes. Aus allen Ecken hört man Tango in La Boca und sieht tanzende Paare (allerdings häufig als Touristenattraktion – was den Einfluss auf die Stimmung in dem Viertel aber nicht schmälert). Der Tango wurde übrigens in La Boca „erfunden", wobei ich die Entstehungsgeschichte recht kurios finde. Der Großteil der Einwohner von La Boca waren Genuesen, dazu kam noch eine bunte Mischung aus Matrosen aus aller Welt. Viele spielten Instrumente aus ihrer Heimat, die dann zusammen die Orchestrierung des Tango bildeten. Der Tanz dazu entstand, weil die Matrosen oft lange Wartezeiten überbrücken mussten – und zwar, während sie vorm Bordell warteten, dass sie an der Reihe waren. Der Tanz nahm somit – in entschärfter Variante und logischerweise nur untern Männern – vorweg, was die Jungs einige Zeit später veranstalten wollten, sobald sie dran bzw. drin waren. Das erklärt dann letztlich die Laszivität des Tango.

Ein Besuch von La Boca wäre unvollständig wenn man nicht auch die Bombonera gesehen hätte, das Stadion der Boca Juniors, was mich zu der Überschrift dieses Eintrags bringt. Die Kongruenz besteht allerdings nicht in der Nichtexistenz (im Internet wird die Existenz von Bielefeld gerne bestritten), sondern darin, dass sich das Stadion mitten in einem Wohnviertel befindet. Man kommt um die Ecke und schon steht man direkt vorm Eingang. Ich bin dann auch gleich mal in das zugehörige Museum gegangen und habe mir die ganzen Devotionalien angeschaut. Schon sehr beeindruckend. Nicht nur die enorme Anzahl an Trophäen, auch die Glorifizierung der „Helden" von einst und heute, das 360°-Kino mit Stadionatmosphäre und die Vergötterung von Maradona ist faszinieren. Sehr erleichtert hat mich die Information, dass die Vereinsfarben von Boca nicht blau-gelb, sondern blau-gold sind. Damit konnte ich mir ruhigen Gewissens ein original gefälschtes Boca-Trikot im offiziellen Fanshop kaufen. Und nein, ich verstehe die Logik auch nicht. Mit einem schönen Steak und einem kühlen Bier beschloss ich dann meinem La Boca-Ausflug.

Apropos beschließen: ein sehr schöne, noch relativ neue Tradition ist es bei uns in der Abteilung geworden, die Woche mit einem Bier in der Bar des nahegelegenen Einkaufscenters zu beschließen. Wir verdienen uns das aber auch, arbeiten wir doch zwischen 50 und 60 Stunden pro Woche. Das schmeckt das Quilmes gleich mehrfach so gut – muss es auch, da ich nur ein bis zwei trinken kann, ich muss ja schließlich noch fahren. In diesem Sinne: Salud!

Steak-Poll: 41

PS.: Rätsel – dieses Mal hab ich leider keines, aber ich arbeite daran. Die Lösung vom vergangenen Rätsel – die Kanister auf den Autodächern – ist, dass die Kanister ein Zeichen dafür sind, dass der Besitzer des Wagens sein Auto verkaufen möchte. Dieter hat’s gewusst und bekommt damit die versprochenen 25 Punkte. Glückwunsch!

30.10.06 13:06
 


bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)



 Smileys einfügen



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung