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Lebt denn der alte Grillmichl noch...

...jaaaa, er grillt noch, er grillt noch, kocht nicht. Schlechte Einleitung, ich weiß. Das wird auch das letzte Mal gewesen sein, dass ich mich volkstümlicher Musik bedient habe, versprochen. Zumal gerade die MTV Latin American Music Awards auf dem Bildschirm flimmern (warum sieht Shakira hier eigentlich ganz anders aus als im deutschen Fernsehen? Hätte sie fast gar nicht erkannt). Fernsehen könnte durchaus auch mal ein Thema für den Blog werden, aber nicht heute. Dieser Eintrag befasst sich vielmehr mit der zweiten großen Leidenschaft der Argentinier (neben dem Fußball): dem asado, also dem Grillen. Auch in Argentinien frönen die Menschen dieser eigentlich paradoxen Passion: sobald es draußen richtig warm wird, zünden sie ein Feuer an. Eigentlich nicht sonderlich pfiffig, aber das Ergebnis zählt. Und das kann sich sehen lassen. Aber der Reihe nach.

Ich durfte bislang zwei asados beiwohnen – beide waren großartig. Einmal war ich bei meinem Kollegen Norberto eingeladen, das zweite war eher spontan, da wir eigentlich in die Stadt ins barrio Palermo wollten, wo irgendein Fest war, wir aber im Garten versackt sind. Da haben wir uns dann spontan fürs grillen entschieden – keine schlechte Alternative.

Unterschiede zum deutschen Grillen gibt es viele. Es fängt beim Grill selber an. Für den Argentinier ist das putzig kleine deutsche Glimmgerät vermutlich so praktikabel wie Ozelot zum Zähneputzen. Der Argentinier besitzt keinen Grill, sondern eine Grillstation. Nahezu jedes Haus ist mit so einer Einrichtung versehen. Eine Grillstation bietet ca. 2 qm Netto-Grillfläche, das entspricht ungefähr einem halben Rind, was wiederum für gerade mal 10 Personen ausreichend Nahrung bietet. Damit sind wir auch schon bei der Menge des Grillgutes angelangt. Der deutsche Durchschnittsverzehr – eine Bratwurst, zwei Koteletts – wird hier nur müde belächelt. Auf dem Rost liegen als Vorspeise eine Art Bratwürste (ganz anders gewürzt, unglaublich lecker) und Blutwurst – damit kann man mich normalerweise jagen, hier schmeckt es mir wirklich gut. Danach kommt die erste Fuhre Fleisch, in der Regel asado – nein, das ist keine Altersdemenz bei mir, die Rippenstücke heißen tatsächlich auch einfach so wie der Vorgang an sich. Diese sind zwar meist stark von Fett durchsetzt, haben aber einen unglaublich intensiven Geschmack, was noch unglaublicher ist, da das Grillgut nicht gewürzt wird, lediglich mit etwas Salz. Hat man das erste Pfund überstanden, kommt der Hauptgang: entweder bife de chorizo (was ungefähr mit Rumpsteak gleichzusetzen ist) oder bife de lomo – das klassische Filetsteak. Increible. Es ist vollkommen gleich, ob man schon satt ist oder nicht – es schmeckt einfach so gut, dass man einfach weiter isst.

Die Argentinier sind das carnivorste Volk der Welt, wie ich glaube. Die Statistiken schwanken zwar, aber jeder Erwachsene im Silberland isst zwischen einem viertel und einem halben Kilo Fleisch pro Tag. Angeblich könnte Argentinien die Welt komplett mit Rindfleisch versorgen – aber den Großteil essen sie vorher einfach selber auf. Ich glaube inzwischen, dass diese Exportschwäche mit ein Grund für die Argentinienkrise 2001 gewesen ist. (Merke gerade, dass in der Percussion-Salsa-Version das unsägliche Lied „Maneater" von Nelly Furtado sehr annehmbar klingt). Fassen wir zusammen: das argentinische asado besticht sowohl durch Menge als auch durch Geschmack. Als Vegetarier hat man allerdings ein Problem.

Damit der Verzehr von ganzen Kühen nicht allzu sehr auf die Figur schlägt, habe ich am vergangenen Freitag beim ersten 5-km-Lauf im Volkswagen-Werk mitgemacht. Das ganze fand im Rahmen der semana de la seguridad y salud laboral statt. Sinnigerweise firmierte der Lauf auch unter dem Namen Marathón – letztlich bin ich aber ganz froh, dass auf die letzten 37,195 km verzichtet wurde. Ich war eigentlich der Überzeugung, über eine halbwegs vernünftige Kondition zu verfügen. Dummerweise befand die sich nicht in den Teilen meiner Beine, die fürs Laufen benötigt werden. Immerhin konnten Felix (unser Praktikant aus Wolfsburg) und ich in der inoffiziellen Kategorie „bester Ausländer" den ersten Platz belegen – kollegial, wie wir sind, sind wir natürlich zeitgleich ins Ziel eingelaufen, als insgesamt 19. von 66 Teilnehmern. Unsere Abteilung hat insgesamt sogar zwei Pokale abgeräumt (was meinen Chef zu der Bemerkung verleitete, wir wären die Boca Juniors von VW Argentina): zum einen den für die Abteilung mit den meisten Teilnehmern (sind wir doch, bis auf eine Person, komplett angetreten) und für den zweiten Platz bei den Frauen. Nun gut, es sind nur zwei Frauen mitgelaufen, aber Pokal ist Pokal! Mein Chef hat es übrigens mit einem ambitionieren Spaziergang auf den allerletzten Platz geschafft – er war ein halbe Stunde nach Felix und mir im Ziel. Auch eine Leistung auf füng Kilometern Die Rechnung für den Unfug, zu glauben, ich könnte ohne Training vorne mitlaufen, habe ich in den darauffolgenden drei Tagen bekommen. Muskelkater wie ein großer. Hätte ich am vergangenen Wochenende einen Vertreter für einen Treppenlifter an der Tür gehabt, ich hätte ihm zwei Stück abgekauft. Der körperliche Verfall ist spürbar.

Hasta luego!

Steak-Poll: 36

PS. Dieter hätte gerne mehr Rätsel zum Punkte verdienen. Also, here we go (dieses Mal hilft die Wikipedia wohl nicht weiter): Was bedeutet es, wenn ein Auto am Straßenrand einen Benzinkanister auf dem Dach hat? Schwierige Frage, wird dafür mit 25 Punkten belohnt!

Bilder!

 

Die Ausländer beim Zieleinlauf

 

Die ungmein sportliche Abteilung asuntos sociales. V. l. n. r.:

Felix, Eva, Herbert, Dominik, Norberto 

 

24.10.06 14:05
 


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