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SC Arminia Ochtrup vs. SpVgg Langenhorst-Welbergen

So, Thema Fußball, wie versprochen. Wenn Fußball in Deutschland Volkssport Nr. 1 ist, es hier weit über den Status „Sport“ hinaus – im erzkatholischen Argentinien gibt es noch eine weitere, von allen akzeptierte Religion: fútbol.

Buenos Aires ist die Stadt mit den höchsten Anzahl an Fußballclubs weltweit, was daran liegt, dass nahezu jedes barrio seinen eigenen Verein hat. Der Lokalpatriotismus ist hier vornehmlich auf den eigenen Stadtteil bezogen, Buenos Aires ist in diesem Zusammenhang nur mehr eine übergeordnete Verwaltungseinheit. Über die Hälfte der Erstligavereine stammen aus dem Stadtgebiet von BA (nun gut, hier lebt schließlich auch ein Drittel der Gesamtbevölkerung). Das Ausscheiden der Argentinier gegen die Deutschen bei der WM wird übrigens hier als Schiebung betrachtet und wurde schon vor dem Spiel quasi akzeptiert. Als Beweis wird der nicht gegebene Elfmeter für Argentinien angeführt – und ich kann mich beim besten Willen nicht an eine strittige Szene erinnern. Altersdemenz oder Verdrängung? Ist aber auch egal, Lehmann hätte einen eventuellen Elfmeter eh gehalten. Ich hoffe inständig, dass die albiceleste in diesem Jahr noch ein Heimspiel hat, da sollte hoffentlich irgendwie an eine Karte heranzukommen sein.

Wichtiger sind hier jedoch die Vereinsmannschaften. Laut wikipedia verteilen sich die Sympathien im Land so, dass gut 40% mit den Boca Juniors sympathisieren und 33% mit River Plate. Die Redidualfans verteilen sich auf die anderen Mannschaften. Die Rivalität zwischen River und Boca ist weitaus stärker, als man das von deutschen Derbys gewohnt ist. Dortmund und Schalke? Kindergarten. Bayern und die Löwen? Mädchenmessdienerlager. (Der kleine) HSV und St. Pauli? Albern. 96 und Braunschweig? Nun gut, schon nicht ohne... Die Gründe sind, wie so oft, in der Geschichte der Vereine zu finden. Boca und River war früher ein einziger Verein, der im Hafenviertel von Buenos Aires angesiedelt war. Die Bewohner des Stadtteils La Boca waren vorwiegend italienischer, speziell genuesischer Abstammung. Daher nennen sich die fanaticos von Boca immer noch „die Genuesen“: los Xeneizes. Ein Teil des Vereins wollte allerdings das verruchte Hafenviertel verlassen. Es gab folglich eine Abspaltung und der Verein River Plate wurde gegründet - in einem gehobeneren, bürgerlichen Viertel. Allerdings gab es dort keinen Platz für ein neues Stadion. Den Behörden des Nordviertels war jedoch eine dortige Institution ein Dorn im Auge: Es gab – für einen gutbürgerlichen Stadtteil undenkbar – ein Bordell im barrio. Die Stadtväter trafen mit den Vereinsoberen die Abmachung, dass sie das Stadion an die Stelle des Bordells setzen konnten. Also entstand an der Stelle das „Monumental“, in dem noch heute die Länderspiele der albiceleste ausgetragen werden.

Die Boca Juniors blieben in La Boca und spielen in der Bonbonera, das als eines der eindrucksvollsten Stadien der Welt gilt. Durch die etwas skurril anmutende Architektur des Stadion (während des Baus ging dem Verein das Geld aus, daher hat es die Form eines gespannten Bogens) und die Steilheit der Ränge schaukeln sich die Gesänge und Schlachtrufe so stark auf, dass die Ränge und das Spielfeld im wahrsten Sinne des Wortes anfängt zu beben. Leider konnte ich bislang das Stadion noch nicht besichtigen und ob ich dort ein Spiel erleben kann, ist fraglich. In die Bonbonera passen 50.000 Zuschauer und der Verein hat 100.000 Mitglieder, die alle ein Vorkaufsrecht haben. Mein Chef, ein Boca-Fan mit Leib und Seele, befindet sich seit 1 ½ Jahren auf der Warteliste, alleine um Mitglied (!!!) zu werden.

Am vergangenen Sonntag schließlich kam es zum großen Duell der beiden Rivalen: El Superclásico. Die Fernsehsender berichteten in den Wochen davor von wenig anderem als von diesem Spiel. Auch bei uns im Büro grassierte das Fußballfieber. Als River ein Spiel im Copa America (der südamerikanischen Champions League) relativ kläglich verlor, wurde der Schreibtisch eines Kollegen, der eingefleischter millionario (wie die River-Spieler und –Fans aufgrund ihres damaligen Umzugs in die upper class genannt werden - die Boca-Fans benutzen allerdings lieber den Namen gallinas, was soviel heisst wie "Hühnchen", also Feiglinge) ist, mit schmachvollen Zeitungsartikeln dekoriert. Bei der Liga-Niederlage von Boca zwei Tage später blühte dem Arbeitsplatz meines Chefs natürlich das gleiche Schicksal. Am Sonntag schließlich gingen wir – nach dem Volkswagen Family Day – mit 8 Leuten in eine Pizzeria, um uns das Spiel anzusehen. Das Lokal war brechend voll, das Bier floss in Strömen (manche Gepflogenheiten sind wohl überall auf der Welt gleich) und die Spannung war förmlich mit Händen zu greifen. Das Spiel selber war zwar recht ansehnlich, aber viel spannender fand ich die Reaktionen der Zuschauer im Lokal. Ich habe noch nie erlebt, dass Menschen mit einer solchen Intensität Fußball schauen. Jede noch so minimale Torchance, von der man von vornherein wusste, dass der Schuss gute 25 Meter am Tor vorbei geht, wurde gefeiert. River ging mit 1:0 in Führung, doch Boca gelang quasi im Gegenzug der Ausgleich. In der zweiten Halbzeit schoss River das 2:1, kurz danach wurde einer der beiden Innenverteidiger von Boca wegen Meckerns nach einem Foul vom Platz geschickt. Dennoch griff Boca unermüdlich an, der Trainer (Ricardo La Volpe, den sicherlich einige noch als Nationalcoach Mexikos kennen), wechselte sogar noch den zweiten Innenverteidiger aus. Fast zwangsläufig erzielte River dann durch einen Konter das 3:1. Die spanischen Kraftausdrücke, die ich an diesem Nachmittag gelernt habe, möchte ich hier lieber nicht wiedergeben.

Mein Chef wurde übrigens am nächsten morgen von einem lebensgroßen Pappaufsteller eines River-Spielers an seinem Schreibtisch überrascht. Böse, aber er hatte schließlich auch mit dem Schabernack angefangen

Damit verabschiede ich mich ins Wochenende. Gestern war Feiertag, deswegen ist Montag frei. Klingt komisch, macht aber Sinn. Somit gibt es für alle ein langes Wochenende, denn für Brückentage sind die Arbeitnehmerrechte noch nicht ausgeprägt genug.

Hasta luego!

Steak-Poll: 18 

 

13.10.06 14:42
 


bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Laumann Paul (15.10.06 20:27)
Hallo Dominik, heißt Steak Poll, dass du jetzt schon 18 Steaks gegessen hast, in 21 Tagen? Und sind es eher Rumpsteaks oder Filetsteaks?

Möchtest du zu Weihnachten zu Hause goße Bohne essen?
Übrigens. uns gefallen deine Texte außergewöhnlich gut, wir lesen sie immer mit großem Interesse. Naja, und ein kleiner Kommentar mal scheint ja auch wohl sinnvoll zu sein, um dich zu motivieren, weiter zu machen. So lernen wir auch etwas von der argentinischen Welt kennen.
Hannover96 hat ja gestern leider nicht gewonnen, aber mal wieder unentschieden gespielt und seit Hecking Zugang (ein alter Gladbacher ja) noch kein Spiel verloren. Gratulation!
Schöne Grüße aus Ochtrup


Dominik (17.10.06 15:32)
...aus dem Tabellenkeller kommen sie damit aber dummerweise auch nicht. Und wenn sie dann noch einen Elfmeter versemmeln...

Der Steak-Poll ist tatsächlich die Anzahl der gegessenen Steaks. Da sind alle Sorten mit dabei, wobei das "bife de chorizo", eine Art Rumpsteak, deutlich führt. Hab mir jetzt auch eine professionelle Steak-Pfanne gekauft, daraus schmecken die Steaks fast wie vom Grill! Was bitte ist "Grosse Bohne"?

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