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Kofi Annan und die Gummibärenbande

Heute möchte ich mal politisch inkorrekt werden. Über sein Gastgeberland immer nur Gutes schreiben, ist zwar nett und höflich, entspricht aber nie der Wirklichkeit. Überall gibt es diese kleinen Gegebenheiten, die einem irgendwann auf den Senkel gehen. Beispiele für Deutschland, die mich immer einiges an Nerven kosten, sind das notorische Links-auf-der-Rollstreppe-Steher, Kinderwagen-als-Rammbock-Benutzer oder Durch-den-Bahnhof-Schlenderer. Letztere lassen sich übrigens in drei verschiedene Klassen einteilen:

1. Stufe: Langeweile-Schlenderer: Verbrecherpack sondergleichen. Der Bahnhof ist kein Ort zum netten promenieren. Da wollen Leute durch, die Züge erreichen wollen.

2. Stufe: Diagonal-Schlenderer. In der Regel zu zweit unterwegs - händchenhaltend. Pflügen sich tangetial durch die treibenden Massen in einer Seelenruhe, als ob sie Tranquilizer im Kakao gehabt haben.

3. Stufe: Diagonal-Schlenderer mit Trolley. Die Vollendung des Bahnhofs-Wahnsinns. Besitzen den Flächenverbrauch eines Kleintransporters und die Stoizität einer läufigen Schildkröte. Falls irgendjemand hier mal Bundeskanzler werden solle, fordere ich eine mehrjährige Steinbruchstrafe für diese Verweigerer an gesellschaftlichem Minimalkonsens.  

Aber genug des deutschen Bahnhof-Irrsinns, auf geht’s nach Argentinien:

Sprechen und Gehen

Was soll daran schon nervig sein, wenn Menschen beim Gehen sprechen? Nichts, absolut gar nichts. Dummerweise scheint das allerdings in Argentinien eine Unsitte zu sein. Entweder wird gegangen oder gesprochen – beides gleichzeitig muss wohl ein gesellschaftliches Tabu sein. Da der Argentinier ein sehr geselliger Mensche ist, geht er selten alleine irgendwo hin. Und in Gemeinschaft redet er natürlich, was dazu führt, dass eine Menschenmasse ständig temporäre Staus produziert, da dauernd irgendjemand Mitteilungsbedarf hat. Komischerweise findet ein Großteil der argentinischen Gespräche am Ende einer Rolltreppe statt – immer etwas unpraktisch für die Leute, die sich noch auf der Rolltreppe befinden.

Shakira

The Queen of Latin Pop. Meinetwegen. Eigentlich hab ich überhaupt kein Problem mit der guten Frau. Sie kann ihre belanglosen Lieder trällern, auf Tournee gehen und mir hin und wieder in Radio und Fernsehen begegnen. In Argentinien (und in ganz Lateinamerika) ist es mit „hin und wieder" leider nicht getan. Shakira ist ubiquitär – jeden Tag gibt es auf einem der vier Musikkanäle ein Shakira-Special. Auf MTV LA hat Shakira ihre eigene Sendung. Im Radio läuft ständig Shakira. Vergangenes Wochenende hat Shakira in Buenos Aires zwei Konzerte gegeben, was zwei Sender zum Anlass genommen haben, ein Shakira-Weekend einzuschieben. Und zwar konsequent: 48 Stunden am Stück Shakira. Die hat doch tatsächlich zu jedem einzelnen Lied ein Video gedreht, unglaublich. Na gut, es könnte schlimmer sein, wenn Shakira Daniel Küblböck wäre.

Moskitos

Mücken sind in Europa hinterhältige Biester. Hier heißen sie Moskitos und sind ebenfalls hinterhältige Biester. Einen Vorteil haben die argentinischen Viecher: sie sind unheimlich langsam. Man kann sie problemlos aus der Luft fangen, einen hab ich sogar mit dem Fuß erwischt. Andererseits haben die Sackgesichter auch unheimlich Schmacht. Ich hätte ja überhaupt kein Problem mit den Jungs, wenn die einfach nur ein bisschen Blut abzapfen würden und fertig. Macht das DRK ja auch (nun gut, da gibt’s dann auch nachher Schnittchen). Moskitos geben dir keine Schnittchen, dafür juckende Quaddel. Wenn die doch einfach auf das fiese Zeug verzichten würden, welches das Jucken auslöst, würde ich denen eine Flatrate geben. Aber nein, einfach nur satt werden reicht ja nicht, das Ernährer muss noch genervt werden. Die zweite unangenehme Eigenschaft der linken Brüder ist, dass sie nach dem Stich beim schlafenden Opfer direkt am Ohr vorbeifliegen und in hochfrequenter Art und Weise höhnisch ihren Erfolg feiern, als ob sie sagen wollten: „Ey, ich hab dich gestochen, du Trottel hast nichts gemerkt und in zwei Minuten juckt es wie Sau! Schlaf schön weiter – aber erst in einer halben Stunde!" Ein, zweimal pro Nacht kann ich das tolerieren, danach hört der Spaß auf. Habe vor dem Schlafengehen schon die ein oder andere Moskito-Intifada gestartet, manchmal mit Erfolg. Aber wenn das so weiter geht, muss ich wohl auf chemische Waffen zurückgreifen. Gilt die Genfer Konvention auch für Moskitos?

Zeitungskioske

Zeitungskioske sind unheimlich praktisch, wenn man gerade an einem steht und eine Zeitung kaufen will. Sie sind dann unpraktisch, wenn man eine Zeitung kaufen will und nicht an einem Zeitungskiosk steht. Das Problem hier ist, dass es Zeitungen nur an Zeitungskiosken gibt und nirgends sonst. Dummerweise ist die nächste Verkaufsstelle von Presseprodukten von meiner Wohnung eine gute Viertelstunde entfernt – und genau in der entgegensetzten Richtung zur Arbeit. Zeitungen in den ‚normalen’ Kiosken, im Supermarkt oder an den Tankstellen wäre toll. Wenn man übrigens Durst hat oder Kaugummis haben möchte, findet man nur Zeitungskioske, die nichts anderes führen außer...ach, ihr wisst schon.

Links abbiegen

Links abbiegen ist eine ziemlich praktische Erfindung. Wenn man eine Straße entlang fährt und irgendwas auf der linken Seite ist, wo man gerade hinmöchte (z. B. eine Straße, die zum Ziel der Reise führt), blinkt man normalerweise links und biegt dann links ab. Simpel, oder? In Argentinien ist die Idee allerdings etwas anders. Links abbiegen ist hier überall verboten, wo es nicht explizit erlaubt ist – und das ist selten. Seltsamerweise ist dies auch die einzige Verkehrsregel, die von der Polizei überwacht wird. Sogar rote Ampeln sind nur ein lieb gemeinter Hinweis. Ich glaube, sogar ein bewaffneter Raubüberfall mit radikal-islamistischem Hintergrund auf eine alleinerziehende Mutter von 12 Kindern ist ein Kavaliersdelikt gegenüber links abbiegen. Was also tun, wenn man nach links möchte? An sich ganz einfach, eine Kreuzung weiterfahren und drei Mal rechts abbiegen. Logisch und auch machbar, aber irgendwie unpraktisch. Ich glaube, wenn ich wieder in Deutschland bin, werde ich aus Trotz nicht mehr rechts abbiegen, dafür aber jeweils drei Mal links.

 

Nicht, dass jetzt ein falscher Eindruck entsteht – ich mag Argentinien und die Argentinier sehr. Aber auch sie haben ihre Eigenarten, die manchmal leichtes Kopfschütteln verursachen.

¡Hasta luego! 

Steak-Poll: 82

30.11.06 14:11
 


bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Maze (2.12.06 11:19)
Sag mal Dominik, essen die Argentinier auch so viele Steaks? Es ist ja unglaublich, wieviel Fleisch du verdrückst. So grob geschätzt ist das doch mehr als eins pro Tag, oder?


(5.12.06 12:52)
Ja, die Argentinier essen Fleisch wie bekloppt. Je nach Statistik essen die zwischen einem halben und einem Pfund Fleisch pro Tag - allerdings auch in anderen Formen als Steak. Und richtig gerechnet, im Durchschnitt ist das mehr als ein Steak pro Tag bei mir - aber bei einem Asado kann man auch mal drei Stück verputzen, so dass es auch steakfreie Tage gibt.

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