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Let's do the timewarp again!

In einem Seminar zu interkultureller Kommunikation der AutoUni hab ich gelernt, dass es in verschiedenen Kulturen unterschiedliche Zeitwahrnehmungen und eine unterschiedliche Einteilung der zur Verfügung stehenden Zeit gibt. So unterscheidet man zwischen monochromer Zeitwahrnehmung in den meisten nordwesteuropäischen Kulturen und von polychromer Zeitwahrnehmung in den Amerikas, am stärksten ausgeprägt in Südamerika. Der Dozent hat zwar erklärt, was das bedeutet, so wirklich vorstellen konnte ich es mir allerdings nicht. Ich meine, Zeit ist Zeit und die geht von der Vergangenheit über die Gegenwart in die Zukunft. Man nutzt sie oder lässt sie verstreichen oder verbringt sie damit, an der Supermarktkasse zu stehen. Der ein oder andere hat sie sogar abonniert. Andere nutzen sie, um alle Wunden zu heilen, falls doch mal kein Rat kommt. Man kann auch drin sparen, um in der Not zu haben.

Genug gekalauert – was bedeutet es also, wenn man von unterschiedlicher Zeitwahrnehmung spricht? Monochrome Zeit bedeutet, dass man (tendenziell) eine Sachen nach der anderen macht, also linear denkt/arbeitet/handelt/was auch immer. Bei polychromer Zeit hat man parallele Handlungsstränge und findet es im Gegenzug schwer – und unnötig verkomplizierend -, sich auf eine Sache zu konzentrieren. Natürlich ist das nicht für jeden Menschen der entsprechenden Kultur zutreffend, sondern beschreibt Tendenzen. Aber insgesamt gesehen ist das tatsächlich kein Humbug: Der Argentinier ist ständig mit zweihunderteinunddreißig Sachen gleichzeitig beschäftig und springt zwischen den verschiedenen Themen munter hin und her. Dieser Umstand kann Besprechungen unter Umständen – für den durchschnittlichen Westeuropäer - etwas chaotisch anmuten lassen. Ständig läuft jemand raus, weil er noch eine E-Mail schreiben oder jemanden anrufen muss, oder jemand kommt mit einem ganz anderen Thema in die Besprechung herein und schon wechselt das Gesprächsthema. Ein klingelndes Handy wird nicht verschämt ausgestellt, sondern als Befehl verstanden, ranzugehen. Aber: fast in allen Fällen kommen die Besprechungen dennoch zu einem Ergebnis. Man darf sich nur nicht mit deutscher Verbissenheit an einem Thema festkrallen und darauf bestehen, dass genau das derzeit behandelt wird. Ich kann mir allerdings vorstellen, dass sich Argentinier im deutschen Berufsalltag unheimlich langweilen – Tagesordnungspunkt nach Tagesordnungspunkt ist einfach nicht ihre Welt.

Aber auch Zeitabsprachen laufen hier anders ab als in Deutschland. Man verabredet sich eher für eine Tages- als für eine Uhrzeit. Das erspart Enttäuschungen und man ist immer pünktlich! Allerdings ist man dann auch ungern der erste am Treffpunkt. Nicht mal das Fernsehen hält sich genau an die Zeiten in den Fernsehzeitungen – außer der Deutschen Welle natürlich! Jener Sender will mir übrigens gerade weiß machen, dass durch die Nachfrage nach Hartweizen von Seiten der Bioethanolindustrie der Nudelpreis steigen wird. Na schau an – lieber 6% teurere Nudeln als globaler Klimawandel, polemisch gesprochen.

Letzte Anmerkung zur Zeit: Ich glaube, die Zeit vergeht in Argentinien sehr viel schneller als in Deutschland – immerhin hab ich schon zwei Drittel meines Aufenthaltes um und bin eigentlich schon fast wieder da. Gefühlt waren das allerdings bislang gerade mal drei, vier Wochen.

¡Hasta luego!

Steak-Poll: 74

23.11.06 15:19
 


bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Maze (24.11.06 17:45)
Herzlichen Glückwunsche Dominik. Ich werde jetzt überall meinen Glückwunsch posten.

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