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Achim Reichel lügt!

So, da bin ich wieder. Wenn ich wieder da bin, heisst das im Umkehrschluss, ich war weg. Und zwar im Paradies.

Das vergangene Wochenende war lang – Freitag war Feiertag plus ein freier Bonustag. Diese Zeit konnte ich dafür nutzen, einen kleinen Ausflug zu machen in das Dreiländereck Argentinien – Brasilien – Paraguay, wo nicht der Drilandsee auf mich wartete, sondern ein fast genauso spektakuläres Naturschauspiel: Die Wasserfälle von Iguazu. Zudem bot sich mir so die Gelegennheit, noch mehr vom Land zu sehen, da der Weg bis dahin mit gut 1250 km nicht unbedingt kurz ist. Dicht besiedelt ist Argentinien nun auch nicht – ca. vier Mal so gross wie Deutschland, die Hälfte der Einwohner und davon leben noch knapp 40 % im Grossraum Bs As. Da bleibt für den Rest des Landes nicht mehr so viel übrig. Es ist schon ungewohnt, wenn einem auf der Strassen eine halbe Stunde lang kein Auto begegnet. Dafür allerdings Steak in Naturform ohne Ende. Hier stimmt der Begriff "glückliche Kühe" noch wirklich – Auslauf ohne Ende, angenehmes Klima, immer ein para Pferde mit auf der Weide für den interkulturellen Austausch. Ok, sobald sie beim Schlachter sind, hat das Glückliche-Kuh-Dasein auch hier ein Ende.

Auf dem Hinweg hab ich nach einem Drittel der Strecke in Colon übernachtet, ein kleines Fischerdorf am Rio Uruguay, der auch den Grenzfluss zum gleichnamigen Land bildet. Hab auch mal rübergewinkt (das heisst tatsächlich "gewinkt" und nicht "gewunken", hat mir Bastian Sick erklärt), ob die Uruguayos jetzt glücklicher sind, konnte noch nicht abschliessend ermittelt werden. In Colon hab ich in einer Parilla (das ist so eine Art Grill-Restaurant) mal die ganzen Sachen vom Grill probiert, die ich mich bislang nicht getraut hatte: unter anderem Niere und Bries. Den Geschmack von etwas zu beschreiben, ist meistens recht schwierig, hier geht das aber ganz leicht: vollkommen ekelig. Hätte ich mir auch vorher denken können, wollte es aber wenigstens mal ausprobiert haben.

Am nächsten Morgen bin ich dann zeitig losgefahren, um den Rest der Strecke hinter mich zu bringen und kam gegen 18 Uhr in Puerto Iguazu an, einem Ort, der eigentlich gar nicht exisitieren würde, gäbe es die gleichnamigen Wasserfälle und den dazugehörigen Nationalpark nicht. Dort hab ich mir ein muckeliges Hotel gesucht, mir ein wenig den Ort angeschaut (ging sehr schnell) und mir die Pläne für den kommenden Tag zurecht gelegt.

Eben jenen Tag kann ich nicht wirklich in Worte fassen. Hier kommt Achim Reichel wieder ins Spiel, der in einem, sagen wir mal, amüsanten Lied behauptet, er hätte die ganze Welt gesehen und am schönste sei es aber dann doch in Sansibar gewesen. Er ist wohl nicht nach Iguazu gekommen. Ich hab dort das ganze Programm mitgemacht, mit einem Motorboot den Unterlauf des Flusses entlangsfahren, bis in die Wasserfälle hinein (eine 70 Meter hohe Dusche hat durchaus Wasserdruck), eine Jeep-Tour durch den Regenwald, Schlauchboot fahren durch den Oberlauf, Dschungel-Wanderung etc. Die Natur dort ist überwältigend: Nicht nur die Pflanzen, die gedeihen, als ob sie in einem riesigen Gewächshaut stehen (so ähnlich ist allerdings auch das Klima da), sondern auch die Tiere: Tausende Schmetterlinge, Vögel aller Art (Papageien, Tukane, Greifvögel...), Eidechsen, Leguane, Kaimane...die Schlange, vor denen auf Schildern oft gewarnt wurde und die "Grossen Jungs" (Puma und Jaguar) haben sich nicht blicken lassen. Konnte ich aber mit leben (einen Puma hab ich allerdings doch noch gesehen – totgefahren am Strassenrand auf der Rückfahrt).

Genug erzählt, ich lass einfach mal die Bilder für sich sprechen:

 

Kleine Bootstour den Unterlauf entlang zu den Wasserfällen. Das linke Ufer ist Brasilien, das Rechte Argentinien. Die Mitte des Flusses ist genau die Grenze. Da wir auch am linken Ufer entlang gefahren sind, kann ich jetzt ruhigen Gewissen behaupten, dass ich schon Mal in Brasilien war - auch wenns im Reisepass nicht drinsteht.
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Kleine Panorama-Aufnahme eines Teils der Wasserfallfront (die insgesamt über 2 km lang ist):
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Das Bild ist von der Aussichtsplattform des "Garganta del Diablo", dem Teufelsrachen. Unfassbar beeindruckend - der Ort trägt seinen Namen zurecht. Leider konnte man das Ganze nicht in einem Bild einfangen, nur Ausschnittsweise.
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Auf dem Bild kann man vielleicht erahnen, warum diese Stelle jenen Namen trägt. Hufeisenförmig fallen gewaltige Wassermassen in eine 70m tiefe Schlucht, der Lärm ist unbeschreiblich und man wird von der gischt vollständig durchnässt.
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Den Rückweg von der Garganta hab ich im Schlauchboot angetreten - sehr entspannende Sache, wenn man ausser Acht lässt, dass man nicht zuweit nach rechts fahren darf, weil da der Fluss recht zügig sein Stockwerk wechselt. 
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Diese Stelle erinnert mich an Bruchtal aus "Der Herr der Ringe" - nur Elben gibt es hier nicht. Dafür Leguane - man kann schliesslich nicht alles haben.
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- ohne Worte - Photobucket - Video and Image Hosting

Ganz passable Gegend.
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Und der Beweis, dass ich das Ganze auch selber erlebt habe und nicht nur irgendwo Fotos aus dem Internet geklaut habe. Wie es sich für einen deutschen Touristen gehört, natürlich stilecht im Unterhemd (wurde übrigens von einem anderen Deutschen fotografiert, der eine Mütze von der Kreissparkasse Unna aufhatte O-Ton: "Sischa kann isch ein Foddo von dia machn". Manchmal ist die Welt eben doch ein Dorf.
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Vielleicht gibts in den nächsten Tagen noch ein paar mehr Bilder, mal schauen.

Bis dahin, ¡hasta luego!

Steak-Poll: 90

13.12.06 15:27


Glühwein? Einfach die Flasche nach draussen stellen!

Temperaturen von weit über 30°, die ständige Gefahr, einen Sonnenbrand zu bekommen, Menschen in kurzen Hosen und T-Shirts – woran denkt man da als erstes? Na klar, Weihnachten. Auch in Argentinien neigt sich das Jahr dem Ende zu und damit rückt auch unausweichlich das Weihnachtsfest immer näher. Ich bin eigentlich kein großer Anhänger der Vorweihnachtszeit – alle Leute werden hektisch, das Wetter ist schlecht, die Stadt ist brechend voll, man verlässt im Dunkeln das Haus und kommt im Dunkeln wieder, die Fernsehwerbung nervt richtig und Schnee gibt’s eh nicht.

Einige Sachen sind in Argentinien gleich, andere vollkommen anders. Offenkundig ist natürlich das Wetter anders. Hier ist Weihnachten logischerweise nicht im Winter, sondern mitten im Hochsommer. Wie ich finde, vollkommen unpassend, aber das ist den Gauchos durchaus und zurecht egal. Die traditionellen Weihnachtsriten sind fast europäisch – am 24. ist die Familie angesagt (obwohl hier eigentlich immer Familientag ist – das Familienleben spielt eine viel größere Rolle als in Europa), es gibt gutes Essen (in der Regel vom Grill, alles andere wäre auch ein Überraschung), es gibt Geschenke (allerdings erst um Mitternacht) und auch der 1. Weihnachtstag steht vornehmlich im Zeichen von Essen und Familie. 

Die Kommerzialisierung des Weihnachtsfestes ist allerdings sehr nordamerikanisch. Beispielhaft hierfür ist die Weihnachtsdekoration im größten Einlaufszentrum Argentiniens, dem UniCenter. Dort gibt es einen Weihnachtsbaum, was zunächst nicht wirklich überraschend ist. Auch, dass der Kollege über 12 Meter hoch ist, ist nichts außergewöhnliches. Spannend wird es, wenn man sich die Dekoration anschaut. Jene steht jedes Jahr unter einem anderen Motto – dieses Jahr scheint das Motto zu sein „Alles, was nichts mit Weihnachten zu tun hat“. So schmückt eine Armada von Koalas den Baum und auf der Spitze treibt ein Horror-Eichhörnchen sein Unwesen, das in seinem Niedlichkeitsfakor Chucky, der Mörderpuppe , in Nichts nachsteht. Ganz in der Nähe gibt es ein Schaufenster, das mit elektrischen Puppen nur so vollgestopft ist. Von Besinnlichkeit allerdings keine Spur, die Brüder kaspern mit einer Geschwindigkeit und Hektik durch die künstliche Landschaft, als sie morgens ein Duzend Duracell-Karnickel gefrühstückt hätten. Wäre ich Epileptiker, ich hätte längst den ein oder anderen Anfall davor alleine beim Vorbeilaufen erlebt.

Leid tun mir vor allem die armen Menschen, die derzeit in Weihnachtsmannkostümen die Kinder bespaßen sollen. Ich glaube, es gibt wenig beschissenere Jobs als bei 35° im Schatten im dicken roten Mantel mit lustigem Vollbart herumzulaufen und die kleinen Nervensägen auf dem Schoß zu haben, um sich anzuhören, dass sich eh alle die neuen Power-Rangers-Figuren wünschen.

Übrigens können sich meine Kollegen nicht wirklich ein winterliches Weihnachtsfest vorstellen – sowas kennen die nur aus Filmen.


Steak-Poll: 96

18.12.06 22:52


Mission accomplished

Nun ist es fast vollbracht. Ein Quartal habe ich in der vielleicht aufregendsten Stadt Südamerikas verbracht. Es war sehr lehrreich, spannend und faszinierend. Ich habe wunderbare Menschen kennen gelernt, konnte in eine mir fremde Kultur eintauchen und habe auch erlebt, wie es ist, als Ausländer in einem anderen Land zu leben. Die Arbeit hat mir sehr viel Spaß gemacht, die Kollegen haben mich unheimlich freundlich aufgenommen und mir bei den Tücken des Alltags geholfen und tausend Fragen beantwortet. Ich habe dir Hälfte meiner empirischen Arbeit für meine Dissertation machen können, im Gegenzug hoffe ich, dass meine Arbeit der Abteilung weitergeholfen hat.

Wie es so schön klischeemäßig heißt, gehe ich mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Ich habe mich hier wirklich wohlgefühlt, aber natürlich fehlen mir hier auch viele großartige Menschen. Daher freue ich mich auf meine Rückkehr, hoffe aber gleichsam, irgendwann noch mal nach Argentinien zurückkommen zu können. Es gibt hier noch so viel zu sehen – den höchsten Berg Amerikas (der Aconcagua – läppische 6.960 Meter hoch), die Hochebenen und die 160 Millionen (!) Jahre alten versteinerten Wälder in Patagonien, Feuerland mit seinen Gletschern und der südlichsten Stadt der Erde, Ushuaia, oder auch die alten Indio-Siedlungen und spanischen Kolonialbauten im Nordwesten in der Provinz Salta. Nicht zu vergessen die Halbinsel Valdés, von der aus man Blau-, Grau- und Buckelwale bei der Aufzucht und Orcas bei der Jagd beobachten kann. So gesehen noch viel zu sehen!

Ich bedanke mich bei allen, die den Blog gelesen haben und hoffe, der ein oder andere hatte etwas Spaß beim Lesen (immerhin knapp 1.000 Visits und mehr als 1.500 page impressions in den drei Monaten). Danke auch für den Zuspruch, dann macht das Schreiben gleich noch mehr Spaß.

Damit darf ich mich verabschieden, denn der Sinn des Blogs hört mit dem Ende des Aufenthalts auf. Allen Lesern wünsche ich „Féliz navidad" und einen guten Rutsch!

Eines noch, bevor ich’s vergesse:

Steak-Poll: 100 !!!

(War ganz schön knapp zum Schluss – ich war gestern und vorgestern jeweils Grillen, was sich in meiner Planung mit 4 Steaks niedergeschlagen hat. Dummerweise gab es alle Fleischsorten, nur kein Steak. Konnte das mittags in der Kantine fast komplett ausgleichen, allerdings fehlte mir heute morgen noch ein Steak. Gottseidank befand sich in meinem Kühlschrank noch ein Steak der von mir neu kreierten Gattung „bife de emergencía" – geht doch nichts über ein Steak morgens um acht, um den Tag zu beginnen!)

22.12.06 15:38





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