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Der Tag der deutschen Einheit...

...wird aus nachvollziehbaren Gründen in Argentinien nicht gefeiert. Den Gauchos mangelt es etwas an Erfahrung mit Warschauer Pakt, Ostblock und Mauerfall. Wer weiß, hätte Honecker damals in Argentinien mit dem Flüchten aufgehört und wäre nicht noch über die Anden bis nach Chile gelaufen, hätte es mehr Bewusstsein für innerdeutsche Fragen hier gegeben. So allerdings bleibt nur das Warten bis zum 12. Oktober, dann wird in ganz Lateinamerika der Tag der Entdeckung Amerikas gefeiert. Als Zentraleuropäer hat man natürlich schlechte Karten, jemals an so einen Feiertag zu gelangen. Insofern ausgleichende Gerechtigkeit.

Aber das alles nur nebenbei, eigentlich soll es um vergangenen Sonntag gehen. Mein erster Besuch im Zentrum Buenos Aires’. Praktischerweise kann man auf Autobahnen fast bis ganz in die Stadt hinein fahren. Irgendwann hört die Piste einfach auf und man befindet sich direkt auf der Straße des 09. Juni, der zentralen Prachtstrasse der Hauptstadt – 12-spurig plus links und rechts jeweils noch eine zweispurige Parallelstrasse, insgesamt 120 Meter breit. Überhaupt sind Parallelstrassen hier Standard. Entweder man fährt über die mautpflichtigen autopistas oder man fährt nebenher, auf den kostenlosen collectivos – die selbstredend den entscheidenden Nachteil besitzen, dass man kaum voran kommt. Die Maut ist allerdings so gering (zwischen 50 centavos und 2,20 Pesos, dass sind ca. 13 bzw. 55 Cent), dass sich die Frage eigentlich nicht stellt.

Im Zentrum angekommen, hab ich das Teatro Colón angesteuert, wo ich mit einer Kollegin und ihrem Freund verabredet war. Leider hat die gute Eva eine Impfung nicht vertragen und ist prompt krank geworden. So bin ich knappe zwei Stunden durch das Regierungs- und Altstadtviertel getigert. Unter anderem war ich auf dem Plaza de Mayo, an dem das berühmte alte Rathaus steht, von dessen Balkon Juan Perón und seine Frau Eva (eben jene Evita aus dem Musical) ihre Reden an das Volk hielten. Allerdings war der Platz auch während der Militärdiktatur von 76-83 Schauplatz vieler Einsätze des Militärs gegen die Bevölkerung. In dieser Zeit verschwanden zehntausende Menschen in spurlos. Aus diesem Grund halten die Mütter und Großmütter der Verschollenen immer noch jeden Donnerstag schweigend Mahnwache (die sog. „Madres de Plaza de Mayo"

So, genug der kurzen Geschichtsstunde, schließlich hatte ich eine Eintrittskarte für das Teatro Colón. Ich muss mich jetzt als Kulturbanause outen, von klassischer Musik habe ich einfach null Ahnung. Aber es gab ein Konzert mit Werken von Tschaikowski und Beethoven, in voller Orchesterstärke. Das Stück von Beethoven war zudem für ein Solopiano geschrieben. Der Pianist muss wohl einer der Großen sein, jedenfalls wurde er nachher frenetisch gefeiert. Das Colón gilt als das beste Konzert- und Opernhaus Lateinamerikas, vergleichbar mit der Mailänder Scala, dem Wiener Opernhaus oder dem Bolschoj-Theater in Moskau. Ich kenne zwar nur das Bolschoj, aber dem Vergleich hält das Colón mühelos stand – rein architektonisch, den Rest kann ich einfach nicht beurteilen. Sei’s drum, danach war die Heimfahrt angesagt (immerhin dauert ein Weg ca. 40 Minuten und ich hab mich noch ordentlich verfahren).

Buenos Aires ist wirklich ein unheimlich gegensätzliche Stadt. Zum einen fühlt man sich im Regierungsviertel, als wäre man in Paris. Aber auf dem Weg fährt man an Slums vorbei, in denen sich die Menschen vom Sammeln von Altpapier am Leben halten. Während in Deutschland der Trend zu einer Zweiklassengesellschaft geht, ist das hier schon lange passiert. Die Reichen sind unvorstellbar reich, sogar mehr, als in Westeuropa, die Armen sind im wahrsten Sinne des Wortes vollkommen mittellos. Der Staat kann keine (oder kaum) humanitäre und soziale Aufgaben übernehmen, dafür gibt es viele Stiftungen und die ansässigen Unternehmen sind viel mehr in die Pflicht zur Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung genommen als in Europa. Meine Arbeit, von der ich beizeiten mal berichten werde, hat auch direkt und indirekt damit zu tun.

So, langer Post heute, perdon. Hab eigentlich noch viel zu erzählen (kommenden Sonntag ist das absolute sportliche Großereignis hier: der superclassico, das Spiel zwischen Boca Juniors und River Plate. Im Büro gibt es seit Tagen kein anderes Thema mehr. Ich muss mich auch noch für eine der beiden Mannschaften entscheiden – auf Anweisung des Chefs soll es Boca werden. Aber mal schauen, die spielen in Blau-Gelb, keine guten Farben für eine Fußballmannschaft. Aber ich will auf jeden Fall noch mal in das Stadion, die Bomboñera und in das dazugehörige Museum, in dem es einen Raum alleine für Maradona gibt, der hier wie ein Nationalheiliger verehrt wird...ich schweife ab.), aber ich muss noch Vokabeln lernen. Morgen hab ich wieder Unterricht.

Hasta manana!

Steak-Poll: 8

 

4.10.06 13:55


Super Mario Kart

Gut, dass ich in jungen Jahren an einer Super-Nintendo-Konsole ausgebildet wurde. Der alltägliche Wahnsinn, der hier euphemistisch „Straßenverkehr“ genannt wird, ist sonst kaum zu händeln. Verkehrsregeln werden hier mehr als grobe, unverbindliche Handlungsanweisungen interpretiert. Es ist nicht die Geschwindigkeit (zu schnell fahren ist auch nahezu unmöglich), es ist mehr das Verhalten der Verkehrsteilnehmer, das einem sozialdarwinistischen Ausleseprozess gleicht. Wichtig sind drei Faktoren:

- Übersicht,

- Beschleunigungsvermögen und

- Kraft bzw. Masse.

Dank des 150 PS-Motors in meinem Seat kann ich bei Faktor 2 klar punkten, mit Kraft kann ich, im Vergleich mit Bussen und den hier riesigen Trucks nicht mithalten und Punkt 1 ist eine Sache, die man in deutschen Fahrschulen nur rudimentär lernt. Ich möchte den deutschen Fahrlehrern nicht an die Karre fahren (oh, was für ein schlechtes Wortspiel an dieser Stelle), aber dass man seine Augen immer überall haben muss und sich in keiner Weise auf geltendes Recht berufen kann, ist für den Anfang gewöhnungsbedürftig. So ist es nicht ungewöhnlich, dass man als Linksabbieger von Autos links überholt wird, die geradeaus weiter fahren. An Kreuzungen, die keine Ampeln haben (und das sind die große Mehrzahl) empfiehlt es sich, im Wind- und Schlagschatten eines Busses oder LKWs zu fahren. Tangentiales Abbiegen, wie im heimischen Straßennetz praktiziert wird, ist hier nur unnötige Verkomplizierung. Aber: Man gewöhnt sich unheimlich schnell daran. Im Gegensatz zu Deutschland, wo man fährt, wenn man recht hat, wird hier nur dann gefahren, wenn eine realistische Chance besteht, dass man durchkommt. Und da alle Verkehrsteilnehmer hier wissen, was gespielt wird, kommt es auch nur selten zu Unfällen (toi, toi, toi) - ausser mit Rennradfahrern, die an den Wochenenden die Autobahnen (!!!) bevoelkern. Bin mal sehr gespannt, wie es morgen wird. Dann werde ich zum ersten Mal nach Downtown BA fahren - und dort gibt es 12-spurige Straßen. Ich habe übrigens einen angemessenen Respekt davor, dass ich, wenn ich wieder in Deutschland bin, wie die letzte Sau fahren werde. Kompatibel sind die beiden Verkehrsstile nun weiß Gott nicht (und nein, Mirjam , so schlecht fahre ich wirklich nicht! Das waren das ungewohnte Auto und die Holländer!

Hasta luego!

Steak-Poll: 5

PS. Die Eintraege sind nicht tagesaktuell. Da ich in meiner Wohnung kein Internet habe, schreibe ich die am Wochenede quasi vor. Dass ich den Eintrag jetzt poste, beweist auch, dass ich den Ausflug in die Innenstadt wohlbehalten ueberstanden habe. Davon beim nachsten Mal mehr!

3.10.06 14:43


Geheimnisse...

...gibt es viele. Insbesondere für Menschen, die sich in ein fremdes Land aufmachen. Manche sind leicht zu lösen, andere erfordern Ausdauer. Als Andre und ich diesen Sommer auf Kreta waren, war das größte Geheimnis, wie die feminine Form des Bezeichnung für die indigenen Einwohner der Wiege der europäischen Zivilisation lauteten. Herausfordernd zwar, doch nicht wirklich wichtig für den Alltag. Darüber hinaus ist der Tourist als solcher ja ein gern gesehener Gast, dem oft und zuvorkommend geholfen wird, vornehmlich in der Sprache des Freizeitimmigranten, notfalls im angelsächsischen Idiom.

Nicht so, wenn man nicht als Tourist unterwegs ist und sich auch an Orten aufhält, die ihre Haupteinnahmequelle nicht im Fremdenverkehr sehen. Nehmen wir das Beispiel der Stromversorgung importierter Elektroartikel. Der Reiseführer nötigt den Benutzer argentinischer Steckdosen mit deutschem Hightech zu einem Adapter. Vollkommen nachvollziehbar, haben die argentinischen Stecker doch drei (wie heißen die Dinger eigentlich? Pinökel konnte mein Wörterbuch nicht übersetzen). Also frohen Mutes auf zum Baumarkt. Sprachlich vollkommen unbedarft wurde dort das argentinische Pendant zum deutschen Obi-Hörnchen befragt (und im Gegensatz zum teutonischen Baustoffbewacher tragen argentinische Servicekräfte ihren Namen vollkommen zurecht). Nach 10-minütigem Durch-die-Gänge-Irren und einem kastellanischen Wortschwall, von dem ich gut 0,8 % verstand, verfestigte sich beim immer noch wirklich freundlichen Baumarktmenschen und mir die Einsicht, dass jenes Etablissement keine Adapter führt.

Mit der Erkenntnis, am nächsten Tag dann doch einen wagemutigen Ausflug durch den Terrorstrassenverkehr Buenos Aires’ machen zu müssen, fuhr ich wieder ins Barrio (erwähnte ich bereits meinen Dienstwagen? Derzeit ein vollkommen übermotorisierter Seat Cordoba, aber kommende Woche wird er getauscht und ich bekomme einen neuen VW Suran (nein, kein Tippfehler, das Modell gibt es nicht auf dem europäischen Markt)). Nun gut, wieder angekommen, versuchte ich spaßeshalber, den Stecker von meinem Handyaufladegerät in die Steckdose zu pressen und Halleluja! es funktionierte! Als ich am selben Abend noch herausfand, dass es im Keller des Appartementblocks, in dem ich wohne, auch noch eine Waschmaschine samt Trockner gibt, war der Abend gerettet, was ich mit einem schönen Glas argentinischen Cabernet Sauvignans feierte.

Nun gut, dieses kleine Episode mag vielleicht nicht sonderlich spannend sein, aber sie soll nur illustrieren, dass es im Alltag kleine Tücken geben kann und ich mich jeden Tag unbändig freue, wenn ich wieder was neues herausgefunden habe. Als Belohnung fürs Lesen bis hierhin gibt’s beim nächsten Mal Einblicke in den argentinischen Straßenverkehr. Spanier und Griechen sind wahre Musterknaben im Vergleich zu den autofahrenden Gauchos.

Hasta luego!

Steak-Poll: 3

PS:

Ein Geheimnis bleibt immer noch ungelöst: Wie heißen die Bewohner von Buenos Aires? Buenos-Airistos? Buenos-Airisticaner? Buenos-Airisticanadier? Buenos-Airistiden? Ich habe keine Ahnung und lobe für die Antwort 12 Punkte aus! 100 Punkte können dann gegen ein Rump-Steak engetauscht werden.

PPS: Bilder kommen auch irgendwann, dazu muss ich aber immer Kollegen nerven, da es in der grauen Vorzeit, aus der mein Rechner stammt, noch keinen USB-Anschluss gab.

2.10.06 13:50


Jetlag...

... ist vorbei. In diese Richtung halb so wild. Umgekehrt wird es wohl unangenehmer. Hab schon sehr viel zu erzaehlen, allein der Strassenverkehr hier ist mehrere Buecher wert. Allerdings kann ich das jetzt nicht machen, da ich noch im Buero sitze und arbeiten muss. Werde mich nach dem Wochenende ausfuehrlich melden!

Vielen Dank fuer die Kommentare soweit, ich werde auch beizeiten darauf eingehen  (Die Smileys sind echt klasse!) - fleissig weiterschreiben!

28.9.06 22:35


Herzlich willkommen...

...in meinem eigenen Blog. Meine Güte, in meinem Alter noch so modern. Nun bin ich auch ein Teil der weltweiten Bewegung von Menschen mit überzogenem Mitteilungsbedürfnis. Allerdings möchte ich nicht einfach nur meine Gedankengänge der Welt anheim geben, vielmehr möchte ich diesen Blog (dieses Blog? Welchen Genus hat der Begriff?) dazu nutzen, mit Familie, Freunden und Firma in Kontakt zu bleiben, während ich in Argentinien weile. Außerdem kann ich mich so um das Postkarten schreiben drücken. Was ich in Argentien mache und alle weiteren Details gibts beim nächsten Mal. Jetzt muss ich erst mal mit dem Design spielen - noch siehts grausam aus

19.9.06 20:47


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