Startseite
    Eindrücke
    Bilder
  Archiv
  Gästebuch
  Kontakt
 


http://myblog.de/dominikinargentinien

Gratis bloggen bei
myblog.de





Helga Beimer und Gonzo retten das A-Team

Fernsehen – wer kennt es nicht? (Ein Satz für die Annalen der sinnlosesten Einleitungen)

Das Programm besitzt hier starke nordamerikanische Einflüsse. Viele, viele Sender und viele Spartenprogramme. Für jeden ist was dabei: ein Fashion-TV und Cosmopolitan TV für die Dame, vier Sportsender und Garage TV für den Herren. Und dass Argentinien ein sehr kinderfreundliches Land ist, merkt man nicht zuletzt an den gut 10 Kindersendern. Dazu kommen alle anderen möglichen und unmöglichen Spartensender sowie unzählige Vollprogramme.

Jetzt muss ich zu meiner interkulturellen Schande gestehen, dass ich die originär argentinischen Sender nur recht sporadisch verfolge. Das hat aber einen ganz einfachen Grund: die Protagonisten dort sprechen spanisch (ach was!). Nun bin ich der spanischen Sprache zwar noch nicht verhandlungssicher mächtig, aber im Alltag komme ich halbwegs (na gut, viertelwegs) über die Runden. Der ein oder andere pädagogisch veranlagte Leser mag jetzt denken, soll der Depp doch das spanischsprachige Fernsehen als Lernhilfe nutzen. Der Gedanke ist auch nicht grundsätzlich abwegig, doch hab ich bislang eine Information vorenthalten: Wie in Holland oder Skandinavien sind fast alle Filme und Serien nichtargentinischer Produktion in der Landessprache untertitelt. Durch die Untertitel kann ich zwei Sachen miteinander verbinden: Zum einen kann ich Fernsehen „zum Spaß" gucken, zum anderen hab ich gleich die kastellanische Übersetzung dazu. Lernen mit Vergnügen – was will man mehr? Was allerdings oft albern wirkt, ist die zwanghafte Übersetzung der Filmtitel ins spanische. Ich bin auch keine Freund von Denglish oder Spanglish, aber hier wirkt das oft zu bemüht. Manche Titel sollten einfach nicht übersetzt werden – z. B. „Men in Black" - Los hombres del negro oder „Spiderman" – El Hombre Araña. Konsequent zwar, doch dösig.

Eine der wenigen Ausnahmen von ausländischen Sendungen mit Untertiteln sind übrigens die Simpsons (Los Simpson) – die werden übersetzt. Allerdings kenne ich durch die andauernden Wiederholungen im deutschen Fernsehen eh fast jede Folge und somit hab ich die Übersetzungen quasi im Unterbewusstsein. Die Simpsons stellen gerade eine exzellente Überleitung dar für die Werbung im argentinischen Fernsehen.

Anders als in Deutschland gibt es hier kein staatliches Fernsehen. Das hat den Vorteil, dass man vor den Stasi-Methoden der GEZ gefeit ist (ich darf an dieser Stelle mal politisch werden und die Abschaffung des GEZ-Wasserkopfes und die Einrichtung einer Fernseh- und Radiosteuer fordern sowie die neue Gebühr für internetfähige PCs verurteilen. Die reine Existenz eines potentiellen Empfangsgerätes als Grundlange für eine Gebühr zu nehmen ist doch vollkommen sinnlos. Mit der Begründung könnte ich auch versuchen, Kindergeld zu beantragen – schließlich sind alle „Geräte" vorhanden), andererseits muss man sich mit viel mehr Werbung herumschlagen. Manchmal ist das ganz amüsant – vor allem, da die Argentinier in der Werbung einen sehr skurrilen Humor entwickeln (die Bier-Werbungen hier sind einfach großartig komisch und vollkommen sinnfrei)– manchmal aber königlich nervig. Vor allem bei Live-Übertragungen von Fußballspielen kann die Werbung latent aggressive Menschen dazu bringen, die Fernbedienung zu essen und den Fernseher zu frittieren. Bei jeder Spielunterbrechung, sei es Einwurf, Foul, Pause wegen Verletzung etc, wird im unteren Drittel Werbung eingeblendet und lautstark kommentiert. Hört sich erst mal erträglich an, wenn man aber überlegt, dass beim Fußball die Nettospielzeit gerade mal 40 bis 50 Minuten beträgt, kommt da einiges zusammen. Interessanterweise sind die Werbeunterbrechungen auch beim Pay-TV Usus. Um die angesprochene Überleitung von den Simpsons zur Werbung zu erläutern: Wie auch in Deutschland werden viele Sendungen präsentiert (Sportschau von CMA, Formel 1 von Krombacher etc.). Die Simpsons werden von der Universität von Palermo (einem barrio von Buenos Aires) präsentiert. Wo jetzt der Zusammenhang zwischen dem Oberhaus der argentinischen Bildung und den anarchischen gelben Comicfiguren liegt, werden wohl nur die Marketing-Experten der Uni Palermo wissen. Die Sendung Desperate Housewives wird übrigens von einer Anti-Cellulitis-Creme präsentiert – ich lass das einfach mal so wirken.

 

Einen der großen Stars des argentinischen Fernsehens konnte ich sogar live erleben: Barney.

Barney ist ein magentafarbener Dinosaurier, der das Kinderprogramm unsicher macht. Allerdings auf eine Art und Weise, die die Teletubbies als valiumsüchtige Frührentner erscheinen lässt. Barney und seine Freunde scheinen eine Drogenparty nach der anderen zu feiern, ansonsten kann ich mir die ständige Aufgedrehtheit und das andauernde Singen von sinn- und verstandfreien Liedern nicht erklären. Jedenfalls hab ich Barney in einer der Haupteinkaufsstrassen getroffen, wo er kleine Kinder auf den Arm nahm und sich mit ihnen photographieren ließ. Dass die Eltern es den Kindern erlauben, sich mit einem offenkundigen Dino-Junkie zu identifizieren, wird wohl auf ewig ein strenggehütetes Geheimnis bleiben.

Das argentinische Fernsehen hat noch eine Besonderheit: Das Programm läuft von Monat zu Monat. Das bedeutet, dass die Sender eine bestimmte Anzahl an Filmen für einen Monat eingekauft haben und diese dann ständig wiederholen. So hat man die Möglichkeit, einen Film, den man bei der Erstausstrahlung verpasst hat, noch gut und gerne 12 Mal im gleichen Monat zu sehen. Klingt langweilig, bei über 70 Programmen kommt allerdings kaum Langeweile auf. Der einzige Film, der laut Fernsehzeitschrift nur zwei Mal wiederholt wird, ist dann dummerweise ausgerechnet mein Lieblingsfilm: Adaption. Frechheit.

Beim nächsten Mal gibt’s Friedhofsbilder (so sie denn was geworden sind)!

Heute gibt es wieder ein Rätsel (und hoffe auf rege Beteiligung). Die Frage ist simpel: Wer ist das? Da es doch recht einfach ist, gibt es 13 Punkte.

In diesem Sinne: Hasta luego!

Steak-Poll:: 54 (Bergfest!)

 

Edit: Habe mal das Layout verändert. Eigentlich wollte ich nur ein neues Header-Bild einfügen, das dann nicht zum alten Layout passte. Also hab ich dann gleich alles geändert. Das Header-Bild ist ¨brigens eines der angesprochenen Friedhofsbilder - sooo schlecht sind sie also doch nicht geworden.

7.11.06 19:33


Was für's Auge...

Kein Text heute. Schliesslich soll der geneigte Leser nicht nur mit langweiligen Aneinanderreihungen von Lauten und Silben konfrontiert werden. Dieses Mal gibt es Bilder - auch, wenn ich beileibe ken guter Photograph bin.

 

Irgendein Gebäude an der Av. de Mayo (wurde nicht nach Ivan benannt), was es genau ist, weiss ich nicht, fand es aber architektonisch sehr ansprechend. Ein Beleg dafür, dass Bs As oft mit Paris verglichen wird. 

 

 Das Rathaus - in dem heute nicht mehr der Bürgermeister, sondern der Präsident sitzt. Leider mit Bauzaun davor.

 

Das Parlamentsgebäude - dem Kapitol in Washington nachempfunden (oder andersherum - habe die spanische Inschrift auf der Informationstafel nicht ganz verstanden).

 Auch und gerade das ist Bs As - der unheimliche Kontrast zwischen Arm und Reich (aus dem fahrenden Auto photographiert, daher etwas unscharf).

 

Eine der berühmtesten Skulpturen der Welt - dachte immer, die stünde in Paris, aber nein, der Franzmann hat doch nicht alle Kunst auf sich vereint. Gut so! Nebenan steht übrigens ein Monolith, der den Kilometer 0 aller argentinischen Strassen angibt.

 

 

 Die typischen bunten Wellblechhäuser in La Boca.

 

 s.o.

 Touristische Tangokultur pur. Aber angenehm.

 

Streetlife in La Boca.

Ich werde am Wochenende mehr Bilder machen - wenn ich nicht wieder die Kamera vergesse. Beizeiten wird es dann auch hier wieder neue Bilder geben. Aber der nächste Eintrag wird sich erstmal mit dem argentinischen Fernsehen befassen.

Hasta luego!

Steak-Poll:  45

Edit: Habe gerade gemerkt, dass bei der Abstimmung der Bildbreite und dem Layout des Blogs durchaus noch Luft nach oben besteht. Ich würde das ja noch schnell ändern, sässe ich nicht an einem PC von 1994 (!!!), bei dem komplexe Vorgänge wie die Grösse eines Bildes zu ändern so ziemlich alle spärlichen Ressourcen auffrisst - sprich, es dauert ewig. Daher bleibt dieser ästhetische Fauxpas wohl bestehen.

 

 

 

 

 

3.11.06 14:48


Buenos Aires ist wie Bielefeld

Ich komme mir allmählich vor wie „Der Spiegel": jeden Montag eine neue Ausgabe des Blogs. Und das, obwohl wir seit Augstein wissen, dass in Deutschland kein Platz für ein zweites Nachrichtenmagazin ist. Aber ich bin ja kein Nachrichtenmagazin und noch dazu in Argentinien - und da ist Platz genug.

Eine interessante Woche liegt hinter mir. Der vergangene Montag war der heißeste Oktobertag seit Beginn der Wetteraufzeichnungen in Argentinien. 33° C und 90% Luftfeuchtigkeit. Sogar nachts waren es über 25° - gesegnet sei der Erfinder der Klimaanlage (und nein, das ist nicht der Chef von VW Südamerika). Am Tag drauf gab es zunächst ein heftiges Gewitter, einen durch die aufsteigende Feuchtigkeit unglaublich schwülen Morgen und von einer Minute auf die andere fielen die Temperaturen um die Hälfte. Wenn ich im WKII einen Steckschuss in den Oberschenkel bekommen hätte, hätte ich das sicherlich vorher fühlen können, aber so kam das dann doch etwas überraschend. Aber im Laufe der Woche hat sich das Wetter wieder beruhigt und auf eine angenehme Temperatur um die 23° eingependelt.

Eben jenes Wetter konnte ich am Samstag dafür nutzen, einen kleinen Ausflug in das barrio La Boca zu machen, von dem im Fußball-Eintrag schon die Rede war. Die große Besonderheit dieses Stadtteils sind die bunten Wellblechhäuser. Als in La Boca vornehmlich Hafenarbeiter und Matrosen wohnten, wurden diese nicht selten in Naturalien bezahlt oder auch mit Farbe, die beim Schiffsanstrich übrig blieb. Damit strichen die Arbeiten ihre aus Wellblech und Holz errichteten Häuser bunt an. Natürlich stehen nicht mehr alle dieser Häuser, doch in einigen Strassen wird das Stadtbild durch die bunten Behausungen noch stark geprägt. Während in der Vergangenheit das Hafenviertel (das übrigens nicht am großen Rio de la Plata liegt, sondern am kleineren Riachuelo) noch vornehmlich die typischen Elemente eines Hafenviertels enthielt (Spelunken und Bordelle), ist dort heute eine sehr rege Kunstszene entstanden. Neben vielen Lokalen, kleinen Märkten und Souvenirgeschäften existieren in La Boca eine Vielzahl von Galerien und Ateliers, zudem noch die Akademie de bellas Artes. Aus allen Ecken hört man Tango in La Boca und sieht tanzende Paare (allerdings häufig als Touristenattraktion – was den Einfluss auf die Stimmung in dem Viertel aber nicht schmälert). Der Tango wurde übrigens in La Boca „erfunden", wobei ich die Entstehungsgeschichte recht kurios finde. Der Großteil der Einwohner von La Boca waren Genuesen, dazu kam noch eine bunte Mischung aus Matrosen aus aller Welt. Viele spielten Instrumente aus ihrer Heimat, die dann zusammen die Orchestrierung des Tango bildeten. Der Tanz dazu entstand, weil die Matrosen oft lange Wartezeiten überbrücken mussten – und zwar, während sie vorm Bordell warteten, dass sie an der Reihe waren. Der Tanz nahm somit – in entschärfter Variante und logischerweise nur untern Männern – vorweg, was die Jungs einige Zeit später veranstalten wollten, sobald sie dran bzw. drin waren. Das erklärt dann letztlich die Laszivität des Tango.

Ein Besuch von La Boca wäre unvollständig wenn man nicht auch die Bombonera gesehen hätte, das Stadion der Boca Juniors, was mich zu der Überschrift dieses Eintrags bringt. Die Kongruenz besteht allerdings nicht in der Nichtexistenz (im Internet wird die Existenz von Bielefeld gerne bestritten), sondern darin, dass sich das Stadion mitten in einem Wohnviertel befindet. Man kommt um die Ecke und schon steht man direkt vorm Eingang. Ich bin dann auch gleich mal in das zugehörige Museum gegangen und habe mir die ganzen Devotionalien angeschaut. Schon sehr beeindruckend. Nicht nur die enorme Anzahl an Trophäen, auch die Glorifizierung der „Helden" von einst und heute, das 360°-Kino mit Stadionatmosphäre und die Vergötterung von Maradona ist faszinieren. Sehr erleichtert hat mich die Information, dass die Vereinsfarben von Boca nicht blau-gelb, sondern blau-gold sind. Damit konnte ich mir ruhigen Gewissens ein original gefälschtes Boca-Trikot im offiziellen Fanshop kaufen. Und nein, ich verstehe die Logik auch nicht. Mit einem schönen Steak und einem kühlen Bier beschloss ich dann meinem La Boca-Ausflug.

Apropos beschließen: ein sehr schöne, noch relativ neue Tradition ist es bei uns in der Abteilung geworden, die Woche mit einem Bier in der Bar des nahegelegenen Einkaufscenters zu beschließen. Wir verdienen uns das aber auch, arbeiten wir doch zwischen 50 und 60 Stunden pro Woche. Das schmeckt das Quilmes gleich mehrfach so gut – muss es auch, da ich nur ein bis zwei trinken kann, ich muss ja schließlich noch fahren. In diesem Sinne: Salud!

Steak-Poll: 41

PS.: Rätsel – dieses Mal hab ich leider keines, aber ich arbeite daran. Die Lösung vom vergangenen Rätsel – die Kanister auf den Autodächern – ist, dass die Kanister ein Zeichen dafür sind, dass der Besitzer des Wagens sein Auto verkaufen möchte. Dieter hat’s gewusst und bekommt damit die versprochenen 25 Punkte. Glückwunsch!

30.10.06 13:06


Lebt denn der alte Grillmichl noch...

...jaaaa, er grillt noch, er grillt noch, kocht nicht. Schlechte Einleitung, ich weiß. Das wird auch das letzte Mal gewesen sein, dass ich mich volkstümlicher Musik bedient habe, versprochen. Zumal gerade die MTV Latin American Music Awards auf dem Bildschirm flimmern (warum sieht Shakira hier eigentlich ganz anders aus als im deutschen Fernsehen? Hätte sie fast gar nicht erkannt). Fernsehen könnte durchaus auch mal ein Thema für den Blog werden, aber nicht heute. Dieser Eintrag befasst sich vielmehr mit der zweiten großen Leidenschaft der Argentinier (neben dem Fußball): dem asado, also dem Grillen. Auch in Argentinien frönen die Menschen dieser eigentlich paradoxen Passion: sobald es draußen richtig warm wird, zünden sie ein Feuer an. Eigentlich nicht sonderlich pfiffig, aber das Ergebnis zählt. Und das kann sich sehen lassen. Aber der Reihe nach.

Ich durfte bislang zwei asados beiwohnen – beide waren großartig. Einmal war ich bei meinem Kollegen Norberto eingeladen, das zweite war eher spontan, da wir eigentlich in die Stadt ins barrio Palermo wollten, wo irgendein Fest war, wir aber im Garten versackt sind. Da haben wir uns dann spontan fürs grillen entschieden – keine schlechte Alternative.

Unterschiede zum deutschen Grillen gibt es viele. Es fängt beim Grill selber an. Für den Argentinier ist das putzig kleine deutsche Glimmgerät vermutlich so praktikabel wie Ozelot zum Zähneputzen. Der Argentinier besitzt keinen Grill, sondern eine Grillstation. Nahezu jedes Haus ist mit so einer Einrichtung versehen. Eine Grillstation bietet ca. 2 qm Netto-Grillfläche, das entspricht ungefähr einem halben Rind, was wiederum für gerade mal 10 Personen ausreichend Nahrung bietet. Damit sind wir auch schon bei der Menge des Grillgutes angelangt. Der deutsche Durchschnittsverzehr – eine Bratwurst, zwei Koteletts – wird hier nur müde belächelt. Auf dem Rost liegen als Vorspeise eine Art Bratwürste (ganz anders gewürzt, unglaublich lecker) und Blutwurst – damit kann man mich normalerweise jagen, hier schmeckt es mir wirklich gut. Danach kommt die erste Fuhre Fleisch, in der Regel asado – nein, das ist keine Altersdemenz bei mir, die Rippenstücke heißen tatsächlich auch einfach so wie der Vorgang an sich. Diese sind zwar meist stark von Fett durchsetzt, haben aber einen unglaublich intensiven Geschmack, was noch unglaublicher ist, da das Grillgut nicht gewürzt wird, lediglich mit etwas Salz. Hat man das erste Pfund überstanden, kommt der Hauptgang: entweder bife de chorizo (was ungefähr mit Rumpsteak gleichzusetzen ist) oder bife de lomo – das klassische Filetsteak. Increible. Es ist vollkommen gleich, ob man schon satt ist oder nicht – es schmeckt einfach so gut, dass man einfach weiter isst.

Die Argentinier sind das carnivorste Volk der Welt, wie ich glaube. Die Statistiken schwanken zwar, aber jeder Erwachsene im Silberland isst zwischen einem viertel und einem halben Kilo Fleisch pro Tag. Angeblich könnte Argentinien die Welt komplett mit Rindfleisch versorgen – aber den Großteil essen sie vorher einfach selber auf. Ich glaube inzwischen, dass diese Exportschwäche mit ein Grund für die Argentinienkrise 2001 gewesen ist. (Merke gerade, dass in der Percussion-Salsa-Version das unsägliche Lied „Maneater" von Nelly Furtado sehr annehmbar klingt). Fassen wir zusammen: das argentinische asado besticht sowohl durch Menge als auch durch Geschmack. Als Vegetarier hat man allerdings ein Problem.

Damit der Verzehr von ganzen Kühen nicht allzu sehr auf die Figur schlägt, habe ich am vergangenen Freitag beim ersten 5-km-Lauf im Volkswagen-Werk mitgemacht. Das ganze fand im Rahmen der semana de la seguridad y salud laboral statt. Sinnigerweise firmierte der Lauf auch unter dem Namen Marathón – letztlich bin ich aber ganz froh, dass auf die letzten 37,195 km verzichtet wurde. Ich war eigentlich der Überzeugung, über eine halbwegs vernünftige Kondition zu verfügen. Dummerweise befand die sich nicht in den Teilen meiner Beine, die fürs Laufen benötigt werden. Immerhin konnten Felix (unser Praktikant aus Wolfsburg) und ich in der inoffiziellen Kategorie „bester Ausländer" den ersten Platz belegen – kollegial, wie wir sind, sind wir natürlich zeitgleich ins Ziel eingelaufen, als insgesamt 19. von 66 Teilnehmern. Unsere Abteilung hat insgesamt sogar zwei Pokale abgeräumt (was meinen Chef zu der Bemerkung verleitete, wir wären die Boca Juniors von VW Argentina): zum einen den für die Abteilung mit den meisten Teilnehmern (sind wir doch, bis auf eine Person, komplett angetreten) und für den zweiten Platz bei den Frauen. Nun gut, es sind nur zwei Frauen mitgelaufen, aber Pokal ist Pokal! Mein Chef hat es übrigens mit einem ambitionieren Spaziergang auf den allerletzten Platz geschafft – er war ein halbe Stunde nach Felix und mir im Ziel. Auch eine Leistung auf füng Kilometern Die Rechnung für den Unfug, zu glauben, ich könnte ohne Training vorne mitlaufen, habe ich in den darauffolgenden drei Tagen bekommen. Muskelkater wie ein großer. Hätte ich am vergangenen Wochenende einen Vertreter für einen Treppenlifter an der Tür gehabt, ich hätte ihm zwei Stück abgekauft. Der körperliche Verfall ist spürbar.

Hasta luego!

Steak-Poll: 36

PS. Dieter hätte gerne mehr Rätsel zum Punkte verdienen. Also, here we go (dieses Mal hilft die Wikipedia wohl nicht weiter): Was bedeutet es, wenn ein Auto am Straßenrand einen Benzinkanister auf dem Dach hat? Schwierige Frage, wird dafür mit 25 Punkten belohnt!

Bilder!

 

Die Ausländer beim Zieleinlauf

 

Die ungmein sportliche Abteilung asuntos sociales. V. l. n. r.:

Felix, Eva, Herbert, Dominik, Norberto 

 

24.10.06 14:05


Kleine Kuriositäten am Rande

Heute soll es mal nicht um ein bestimmtes Thema gehen, sondern eher um Kleinigkeiten, die auf den ersten Blick befremdlich oder skurril erscheinen. Nichts davon ist böse gemeint, sondern soll viel mehr die kleinen Alltagshürden und potentiellen Missverständnisse darstellen.

Blinker:

Die Blinker werden in Argentinien nicht nur dafür genutzt, anzuzeigen, dass man abbiegen oder die Spur wechseln will. Blinken kann auch bedeuten, dass der Hinterherfahrende überholen soll. Oder auch, dass der Fahrer des blinkenden Wagens vergessen hat, den Blinker auszustellen. Das kommt allerdings sehr, sehr häufig vor.

Supermarktkassen:

In Deutschland ist man es gewohnt, dass es an Supermarktkassen relativ zügig zugeht (wenn man mal von kleingeldsuchenden Rentnern, zu-Ende-gehenden Kassenrollen und nicht abgewogenem Gemüse absieht). Die argentinischen Kassiererinnen versuchen jedoch, in Mittäterschaft des jeweils aktuellen Kunden, die in der Schlange anstehende Kundschaft möglichst lange in einem Warte-Status zu halten. So hilft die Kassiererin dem Kunden beim Einpacken (maximal drei Gegenstände pro Plastiktüte!), ruft noch mal die Marktleitung, weil die Süßkartoffeln falsch ausgezeichnet sind und letztlich wird dann nicht bar bezahlt, sondern mit seltsamen Coupons mit einem Nennwert von maximal 20 Pesos, die einzeln eingescannt werden (was nie beim ersten Mal funktioniert). Vergangenen Woche hat vor mir eine Ehepaar mit diesen Coupons zwei Klimaanlagen bezahlt, die zusammen 1800 Pesos gekostet haben. Der gesamte Bezahlvorgang hat mal eben 14 Minuten gedauert – und das an der Expresskasse für Einkäufe mit weniger als 15 Einkaufseinheiten (da macht sich die Geduldschule während des Zivildienstes im Altenheim bezahlt).

Pimp my Ride:

Argentinische Autofahrer, insbesondere argentinische Trucker, neigen dazu, im Stile der MTV-Sendung "Pimp my Ride" kleine und/oder größere Umbauten an ihren Autos vorzunehmen. Vor allem Lichteffekte sind unheimlich gefragt. Es sieht tatsächlich sehr interessant aus, wenn der Unterboden eines Autos von blauen Leuchtstoffröhren illuminiert wird oder die Frontscheinwerfer ausschließlich Schwarzlicht bestückt sind. Pragmatischer, vor allem des Nachts, wären normale Scheinwerfer. Falls man also auf der Strasse vor oder hinter sich ein diffuses blaues Leuchten erblickt, ist das keine optische Fehlfunktion, sondern ein risikofreudiger Verkehrsteilnehmer.

Standlicht:

Warum auch immer, mindestens zweidrittel der colectivos, der öffentlichen Busse, fährt nachts mit Standlicht. Andere Autofahrer schließen sich diesem Trend gerne an, sind damit aber immer noch besser ausgeleuchtet als die meisten Motorradfahrer – die fahren traditionell ganz ohne Licht.

Die Begrüßung:

...ist nicht dann beendet, wenn man jemanden morgens gegrüßt hat. Jedes Mal, wenn man die gleicht Person auf dem Flur wiedertrifft, wird sich neu begrüßt. Das ist für einen klassisch verbalökonomischen Westfalen zunächst gewohnheitsbedürftig. Was ich keinesfalls in Deutschland weiterführen darf, ist das komplette Ignorieren einer Antwort auf die Frage „Wie geht’s?" Hier fragt man zwar dauernd nach dem Befinden, aber die Antwort wird gar nicht erst abgewartet.

Autobahnmaut:

..ist zunächst nichts besonderes. Was allerdings bemerkenswert ist, dass die argentinische Geduld vollständig an den Supermarktkassen aufgebraucht wird. Sobald mehr als drei Autos in der Schlange stehen, wird auf Teufel komm raus gehupt. Wenn irgendwann genügend Autos hupen, werden die Schranken geöffnet und man kann, ohne zu bezahlen, durchfahren. Akustische Okonomie – ob sich das irgendwann neben Keynesianismus und Neoliberalismus im Felderer/Homburg wiederfindet?

Die Sonne:

...steht tagsüber im Norden. Vollkommen Banane. Eine seriöse Sonne gehört in den Süden!

Da ich am vergangenen Samstag zum Grillen eingeladen war, konnte ich beim Steakpoll ordentlich aufholen:

Steak-Poll: 27

17.10.06 15:07


SC Arminia Ochtrup vs. SpVgg Langenhorst-Welbergen

So, Thema Fußball, wie versprochen. Wenn Fußball in Deutschland Volkssport Nr. 1 ist, es hier weit über den Status „Sport“ hinaus – im erzkatholischen Argentinien gibt es noch eine weitere, von allen akzeptierte Religion: fútbol.

Buenos Aires ist die Stadt mit den höchsten Anzahl an Fußballclubs weltweit, was daran liegt, dass nahezu jedes barrio seinen eigenen Verein hat. Der Lokalpatriotismus ist hier vornehmlich auf den eigenen Stadtteil bezogen, Buenos Aires ist in diesem Zusammenhang nur mehr eine übergeordnete Verwaltungseinheit. Über die Hälfte der Erstligavereine stammen aus dem Stadtgebiet von BA (nun gut, hier lebt schließlich auch ein Drittel der Gesamtbevölkerung). Das Ausscheiden der Argentinier gegen die Deutschen bei der WM wird übrigens hier als Schiebung betrachtet und wurde schon vor dem Spiel quasi akzeptiert. Als Beweis wird der nicht gegebene Elfmeter für Argentinien angeführt – und ich kann mich beim besten Willen nicht an eine strittige Szene erinnern. Altersdemenz oder Verdrängung? Ist aber auch egal, Lehmann hätte einen eventuellen Elfmeter eh gehalten. Ich hoffe inständig, dass die albiceleste in diesem Jahr noch ein Heimspiel hat, da sollte hoffentlich irgendwie an eine Karte heranzukommen sein.

Wichtiger sind hier jedoch die Vereinsmannschaften. Laut wikipedia verteilen sich die Sympathien im Land so, dass gut 40% mit den Boca Juniors sympathisieren und 33% mit River Plate. Die Redidualfans verteilen sich auf die anderen Mannschaften. Die Rivalität zwischen River und Boca ist weitaus stärker, als man das von deutschen Derbys gewohnt ist. Dortmund und Schalke? Kindergarten. Bayern und die Löwen? Mädchenmessdienerlager. (Der kleine) HSV und St. Pauli? Albern. 96 und Braunschweig? Nun gut, schon nicht ohne... Die Gründe sind, wie so oft, in der Geschichte der Vereine zu finden. Boca und River war früher ein einziger Verein, der im Hafenviertel von Buenos Aires angesiedelt war. Die Bewohner des Stadtteils La Boca waren vorwiegend italienischer, speziell genuesischer Abstammung. Daher nennen sich die fanaticos von Boca immer noch „die Genuesen“: los Xeneizes. Ein Teil des Vereins wollte allerdings das verruchte Hafenviertel verlassen. Es gab folglich eine Abspaltung und der Verein River Plate wurde gegründet - in einem gehobeneren, bürgerlichen Viertel. Allerdings gab es dort keinen Platz für ein neues Stadion. Den Behörden des Nordviertels war jedoch eine dortige Institution ein Dorn im Auge: Es gab – für einen gutbürgerlichen Stadtteil undenkbar – ein Bordell im barrio. Die Stadtväter trafen mit den Vereinsoberen die Abmachung, dass sie das Stadion an die Stelle des Bordells setzen konnten. Also entstand an der Stelle das „Monumental“, in dem noch heute die Länderspiele der albiceleste ausgetragen werden.

Die Boca Juniors blieben in La Boca und spielen in der Bonbonera, das als eines der eindrucksvollsten Stadien der Welt gilt. Durch die etwas skurril anmutende Architektur des Stadion (während des Baus ging dem Verein das Geld aus, daher hat es die Form eines gespannten Bogens) und die Steilheit der Ränge schaukeln sich die Gesänge und Schlachtrufe so stark auf, dass die Ränge und das Spielfeld im wahrsten Sinne des Wortes anfängt zu beben. Leider konnte ich bislang das Stadion noch nicht besichtigen und ob ich dort ein Spiel erleben kann, ist fraglich. In die Bonbonera passen 50.000 Zuschauer und der Verein hat 100.000 Mitglieder, die alle ein Vorkaufsrecht haben. Mein Chef, ein Boca-Fan mit Leib und Seele, befindet sich seit 1 ½ Jahren auf der Warteliste, alleine um Mitglied (!!!) zu werden.

Am vergangenen Sonntag schließlich kam es zum großen Duell der beiden Rivalen: El Superclásico. Die Fernsehsender berichteten in den Wochen davor von wenig anderem als von diesem Spiel. Auch bei uns im Büro grassierte das Fußballfieber. Als River ein Spiel im Copa America (der südamerikanischen Champions League) relativ kläglich verlor, wurde der Schreibtisch eines Kollegen, der eingefleischter millionario (wie die River-Spieler und –Fans aufgrund ihres damaligen Umzugs in die upper class genannt werden - die Boca-Fans benutzen allerdings lieber den Namen gallinas, was soviel heisst wie "Hühnchen", also Feiglinge) ist, mit schmachvollen Zeitungsartikeln dekoriert. Bei der Liga-Niederlage von Boca zwei Tage später blühte dem Arbeitsplatz meines Chefs natürlich das gleiche Schicksal. Am Sonntag schließlich gingen wir – nach dem Volkswagen Family Day – mit 8 Leuten in eine Pizzeria, um uns das Spiel anzusehen. Das Lokal war brechend voll, das Bier floss in Strömen (manche Gepflogenheiten sind wohl überall auf der Welt gleich) und die Spannung war förmlich mit Händen zu greifen. Das Spiel selber war zwar recht ansehnlich, aber viel spannender fand ich die Reaktionen der Zuschauer im Lokal. Ich habe noch nie erlebt, dass Menschen mit einer solchen Intensität Fußball schauen. Jede noch so minimale Torchance, von der man von vornherein wusste, dass der Schuss gute 25 Meter am Tor vorbei geht, wurde gefeiert. River ging mit 1:0 in Führung, doch Boca gelang quasi im Gegenzug der Ausgleich. In der zweiten Halbzeit schoss River das 2:1, kurz danach wurde einer der beiden Innenverteidiger von Boca wegen Meckerns nach einem Foul vom Platz geschickt. Dennoch griff Boca unermüdlich an, der Trainer (Ricardo La Volpe, den sicherlich einige noch als Nationalcoach Mexikos kennen), wechselte sogar noch den zweiten Innenverteidiger aus. Fast zwangsläufig erzielte River dann durch einen Konter das 3:1. Die spanischen Kraftausdrücke, die ich an diesem Nachmittag gelernt habe, möchte ich hier lieber nicht wiedergeben.

Mein Chef wurde übrigens am nächsten morgen von einem lebensgroßen Pappaufsteller eines River-Spielers an seinem Schreibtisch überrascht. Böse, aber er hatte schließlich auch mit dem Schabernack angefangen

Damit verabschiede ich mich ins Wochenende. Gestern war Feiertag, deswegen ist Montag frei. Klingt komisch, macht aber Sinn. Somit gibt es für alle ein langes Wochenende, denn für Brückentage sind die Arbeitnehmerrechte noch nicht ausgeprägt genug.

Hasta luego!

Steak-Poll: 18 

 

13.10.06 14:42


Die wolgadeutsche Trachtentanzgruppe „Freundschaft“

In diesem Post soll es um eines meiner neuen Hobbys gehen: Einkaufen in Supermärkten. Herrliche Beschäftigung, vor allem, wenn man sich in einem Land aufhält, in dem man vorher noch nie war. Einfach in Ruhe herumstöbern, was die Jungs und Mädels hier so für den alltäglichen Konsum zu bieten haben. An sich sind die Supermärkte hier nicht viel anders als in Deutschland. Nur größer. Viel größer. Seeeeeehr viel größer. Den allergrößten hab ich mich noch gar nicht getraut zu besuchen. Nun besteht ein Supermarkt hier nicht nur aus dem einen Geschäft, in dem seine Getränke, sein Essen und die Dinger kauft, die man zum Putzen von sich und seiner Wohnung benötigt, die Gauchos haben das Shop-in-Shop-System perfektioniert. Hier gibt es nicht nur die kleine Bäckerei, den Stand mit den hässlichen Portmona....Portemonna.....Geldbörsen und Annas griechischen Imbiss wie im teutonischen Konsumtempel, nein, hier werden ganze Kleinstadtinfrastrukturen zu einem nahezu magnetischen Einkaufskonglomerat zusammengefasst. Man kann sich das ungefähr wie das Centro in Oberhausen vorstellen, wenn man sich hinzu denkt, dass es um einen riesigen Supermarkt herum gebaut wäre. Für den täglichen Bedarf nutze ich allerdings lieber einen kleineren Laden, da man sonst einfach viel zu lange für die paar Sachen benötigt.

In den Konsumoasen findet man alles. Vom Sportschuh über Mobiltelefonverträgen bis hin zu kleineren Autohäusern. CDs, Bekleidung – vom hippen Szeneladen bis zum Herrenausstatter, Haushaltsgeräte, Kinos, Cafés etc. Interessanterweise gibt es fast das gleiche Angebot auch noch mal im Supermarkt selber (kleiner Einschub: Hier geht gerade ein riesiger, orangefarbener Vollmond auf. Sieht ziemlich klasse aus. Dabei fällt mir, dass ich das Kreuz des Südens noch gar nicht gesehen habe, was aber auch daran liegen kann, dass ich keine Ahnung habe, wie das aussieht. Ich schlussfolgere mal messerscharf, dass es eine Kreuzform hat. Weitere sachdienliche Hinweise werden mit 8 Punkten belohnt – Weitere Frage, die sich mir gerade stellt: Sind die Mondphasen auf der Südhalbkugel eigentlich auch andersrum?).

Das Lebensmittelangebot in den Märkten ist ziemlich klasse. Ich probiere gerne neue Sachen aus, gerade bei Süßigkeiten und Brotbelägen. Der absolute Renner hier ist das sogenannte „Dulce de Leche“, eine Art Karamellnutella in süß. Das ist so süß, als ob man aus Karamell alles wegfiltert, was nicht aus Süß-Atomen besteht und dass das als Essenz direkt in die Zunge injiziert. Und außerdem königlich lecker. Wenn man das morgens auf dem Brot (bzw. dem, was die Jungs hier Brot nennen, das sind absolute Frühstücksbanausen) hat, ist man sofort wacht. Durch den Zuckerschock wirkt das besser als Kaffee. Ich glaube, ich muss aufpassen, dass ich nicht als Diabetiker nach Deutschland zurückkomme (dem wirke ich allerdings durch exzessiven Steakgenuss entgegen).

In den Läden gibt es auch immense Weinabteilungen, in denen ich mich stundenlang aufhalten könnte. Argentinien ist der weltweit viertgrößte Weinproduzent und für sehr wenig Geld kann man unheimlich gute Weine erstehen. Nicht, dass ich ein großer Weinexperte wäre, aber ich denke mal, dass ich einen vernünftigen Wein vom Aldi-Tetra-Pack-Tafelwein unterscheiden kann. Wie dem auch sei, der 04er La Escondia Cabernet Sauvignon, vom dem ich gerade ein Glas trinke, schmeckt auf jeden Fall ausgezeichnet (Salud!).

Nun denn, ich bin vor wenigen Stunden in meinem Haus-und-Hof-Supermarkt gewesen, um ein paar Sachen in die Reinigung zu bringen. Der Markt hat derzeit deutsche Wochen, d. h., es gibt ein paar Regale mit typisch deutschen Waren – Ritter Sport, Haribo, Löwenbräu, Kötritzer Schwarzbier, Schwarzwälder Schinken, Brüggen Müsli etc. Finde ich ganz putzig, aber ist für mich nicht wirklich sensationell, da ich ungern für eine Flasche Bier, die ich nicht mag, das doppelte des heimischen Preises bezahle. Da halte ich mich lieber an die lokalen und regionalen Produkte (was ja auch angewandte Nachhaltigkeit ist ). Als ich den Supermarkt betrat, hörte ich rhythmisches Klatschen in einer Art Viervierteltakt, die mir allerdings recht fremd war. Dazu ertönte laute Musik, die entfernt an Polka erinnerte. Ich dachte an irgendeine Promotion-Aktion und lief weiter. Nach wenigen Metern erblickte ich eine Menschentraube, die sich um gut und gerne 20 junge Menschen versammelten, vom Kleinkind bis zum Mittzwanziger, welche einen Volkstanz aufführten und dabei in einem seltsamen Idiom, einer Art Pidgin-Deutsch, Lieder sangen. So machte ich die Bekanntschaft mir der wolgadeutschen Trachtentanzgruppe Heimat e. V. (e. v.!!! Die deutsche Vereinsmeierei hält Einzug in Argentinien – wenn jetzt noch Heiko hier eine Filiale aufmacht, organisiere ich einen Pottbäckermarkt). Mit vielem hab ich gerechnet, als ich hier hin geflogen bin, mit anderer Kultur, anderen Sitten und alltäglichen Ritualen, aber damit nicht. Als die Mitglieder der Tanzgruppe nach der Aufführung auch noch Autogramme gaben, musste ich die Szenerie verlassen. Soviel Skurrilität vertrage ich nicht an einem Samstagabend.

Etwas wirr geschrieben heute, aber das liegt wohl nicht nur an den Wolgadeutschen, sondern auch an dem Kribbeln, was alle Einwohner Argentiniens inzwischen erfasst hat: Morgen ist das Spiel der Spiele: „El Superclassico“! Davon in den nächsten Tagen mehr. Hasta luego!

Steak-Poll: 13

9.10.06 14:37


[erste Seite] [eine Seite zurück]  [eine Seite weiter]



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung